Ein Beitrag zur Filterfotografie von Armin Meller

Wer braucht denn noch Filter in Zeiten von Photoshop und Co???

Heute möchte ich euch mal ein wenig Theorie zu Graufiltern vermitteln. Die erste Frage, die sich jedem stellt, ist wohl die: Brauche ich in Zeiten von all den tollen Bearbeitungsprogrammen überhaupt noch Filter? Ja und nein! Einige Filter aus der analogen Zeit sind heute maßgeblich überflüssig. Zwei Arten von Filtern sind aber immer noch unerlässlich, um bestimmte Bilder zu machen. Zum Einen der POL – Filter und dann die Grau-, bzw. ND-Filter.

Zu den Grau- und Grauverlaufsfiltern möchte ich heute mal ein wenig hier in den Blog schreiben. Fangen wir einfach mal damit an, was diese Filter können! oder welchen Effekt man damit erzielen möchte.

Mit einem Graufilter kann die einfallende Lichtmenge reduziert werden, um so eine längere Belichtungszeit zu erhalten oder mit einer größeren Blendenöffnung fotografieren zu können. Möchte man zum Beispiel eine Wasseroberfläche wie die des Meeres glätten, so geht dies nur mit einer Belichtungszeit von mehr als 15 Sekunden.

Solch eine lange Belichtungszeit ist nur durch den Einsatz eines Graufilters möglich. Weitere Beispiele sind fließende Gewässer und Wasserfälle, die dann samtig weich erscheinen. Nur durch eine Langzeitbelichtung von mehr als einer Sekunde gelingt eine weiche und fließende Darstellung. Hier muss jedoch auch die Fließgeschwindigkeit des Gewässers beachtet werden!

Oder wie sieht es mit der Darstellung des Himmels mit seinem Wolkenspiel aus? Die Langzeitbelichtung führt zu einer ganz anderen Darstellung der Wolken, die dadurch wesentlich intensiver wirken. Je nach Windgeschwindigkeit lassen sich mit der richtigen Belichtungszeit auch spektakuläre Effekte erzielen. Bei Wolken ist im Vorfeld auch ein wenig Arbeit nötig. Nachdem man seinen Ausschnitt gewählt hat und weiß, was für ein Bild es werden soll, muss berechnet werden, wie lange die Wolken brauchen, um von Punkt A nach Punkt B zu kommen. Dementsprechend errechnet man die Belichtungszeit und wählt den passenden Filter aus. Graufilter kommen aber auch zum Einsatz, wenn Personen verschwinden sollen, oder man sie nur andeuten will. Das ist sehr reizvoll bei sehr belebten Plätzen.

Momentan erlebt die Filterfotografie ja eine Art Revival. Hatte man vor ein paar Jahren noch Probleme, gute Filter zu bekommen, bzw. musste man teils Monate darauf warten,sind sie heute meist direkt verfügbar! Ich habe es selbst erlebt, als ich mir zum Release Day die Firecrest von Formatt Hitech bestellte und diese dann mit einer Verzögerung von sechs Monaten erhielt.

Mittlerweile ist der Markt nahezu unüberschaubar! Es gibt viele Marken wie z.B. Haida, Formatt Hitech, LEE Filters, Sing Ray, Lensinghaus, PHOREX und Rollei um nur einige zu nennen.

Auch preislich ist alles vertreten, vom Low-Budget-Filter bis zum High-End-Produkt. Selber habe ich mit einem Low Budget Produkt angefangen! Mittlerweile, nach ausprobieren von LEE Filters und Formatt HiTech bin ich bei Rollei gelandet. Hier stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis und, viel wichtiger, die Farbneutralität.

Denn mir geht es ja darum, das fertige Bild schon vor Ort zu machen, ohne nachher zu Hause am Rechner noch viel Zeit investieren zu müssen; die verbringe ich lieber in der Natur und mache Fotos. Bisweilen werde ich gefragt, aus wie vielen Bildern meine Bilder bestehen würden, nun ja, aus dem einen, das ich vor Ort gemacht habe. Deshalb sind Filter für mich in der richtigen Situation durch nichts zu ersetzen.

Und nun zur nüchternen Theorie!

 

Was ist ein Graufilter?

Ein Graufilter ist eine abgedunkelte Linse ( wahlweise aus Kunststoff oder Glas ), die vor dem Kameraobjektiv befestigt wird. Hier unterscheidet man zwischen schraubbaren oder steckbaren Systemen. Diese reduzieren den Lichteinfall. Gängige Bezeichnungen sind auch ND-Filter oder Neutraldichtefilter. Die Filter sind grau abgedunkelt und ermöglichen so längere Belichtungszeiten oder den Einsatz einer größeren Blendenöffnung, ohne dabei Einfluss auf Kontrast oder Farbe zu nehmen. Eigentlich so eine Art Sonnenbrille für euer Objektiv. Kleiner Low-Budget-Tipp für euer Handy: Haltet mal eure Sonnenbrille vor eure Kamera vom Handy, gibt auch gute Fotos.

 

Warum benötigen wir einen Graufilter?

In der Fotografie gibt es immer wieder Gegebenheiten, die wir nicht beeinflussen können. Wer am Tag zum Beispiel Landschaftsaufnahmen machen möchte, der benötigt einen ND – Filter. Ohne Filter ist das Licht zu hell und die Verschlusszeiten zu kurz, um optimale Aufnahmen zu erzielen.

Jedoch auch, um Effekte wie samtweiches Wasser bis hin zu Nebel zu erzeugen, benötigen wir einen ND-Filter. Menschenleere Plätze oder ziehende Wolken, alles Effekte, die wir mit ND-Filtern produzieren können.

 

Belichtung mit ND-Filtern!

Allgemein kann man hier keine Aussage machen. Dies hängt alles vom gewählten Filter, der Blende und natürlich der eigenen Kreativität ab. Alle diese Faktoren machen aber auch das Spiel mit der Belichtungszeit so spannend. Unter anderem hängt das auch mit der eigenen Erfahrung zusammen. Wenn man gerade anfängt, sollte man immer Belichtungsreihen durchführen. Zum Einen, weil man sich noch nicht so sicher ist, und zum Anderen, um zu schauen, was für Effekte sich ergeben. Natürlich gibt es auch hier kleine Helferlein wie z.B. Tabellen oder Apps, die einem helfen, die richtige Zeit zu finden. Einige Hersteller bieten auch eigene Apps an. Diese sind dann genau auf ihre Filter abgestimmt. Denn leider haben sich die Hersteller nicht auf eine gemeinsame Bezeichnung geeinigt.

 

Wie berechne ich die richtige Belichtungszeit?

Am einfachsten ist dies gerade am Anfang mit der Zeitautomatik ( A, AV ). Hier wählt man die Blende vor und die Kamera wählt dann die Belichtungszeit selbst. Mit dieser Zeit könnt ihr dann in den Tabellen oder Apps nachsehen, welche Zeit mit dem ausgewählten Filter zum Tragen kommt.

Persönlich addiere ich, je nach Effekt, den ich erzielen möchte, nochmal 5 – 10 % hinzu. Nicht zu vergessen bei der Berechnung ist auch, ob ihr noch einen weiteren Filter verwendet. Habt ihr beispielsweise auch noch einen POL-Filter drauf, muss dieser natürlich in die Berechnung mit einbezogen werden. Im Schnitt schluckt ein POL-Filter 1-2 Blendenstufen. Da müsst ihr selbst ein wenig rumprobieren, denn auch die POL-Filter sind nicht einheitlich.

 

Was ist zu beachten?

Langzeitbelichtungen mit ND-Filtern macht man immer im M- oder Bulb-Modus. Dies sind die Modi, bei denen ihr alles selbst einstellt. Denn die Kamera ist nicht in der Lage, die richtige Belichtungszeit zu errechnen. Ein Stativ ist Pflicht, wenn ihr mit Graufiltern fotografiert. Aufgrund der längeren Belichtungszeiten sollte dies einen guten Stand haben. Erschütterungen während der Aufnahme sind zu vermeiden, deshalb unbedingt mit einem Fernauslöser arbeiten. Auch das Reinigen und Sauber halten der Filter ist unabdingbar für schöne Aufnahmen. Aufgrund der längeren Belichtungszeiten versauen euch schon kleinste Partikel nachher das Bild. Sehr nervig ist dies am Meer mit seiner Gischt und dem Sand und Staub. Aber das muss leider sein, wenn ihr mit spektakulären Bildern nach Hause gehen wollt.

Tipp: Fokussieren immer ohne Filter! Auch wenn die Kamera es im Live View schafft, ein Bild darzustellen, werdet ihr zu Hause am Rechner sehen, dass der Fokus  nicht sitzt.

 

Ablauf beim Fotografieren! ( Stecksystem )

  • Stativ aufbauen
  • Kamera mit Fernauslöser fertig machen
  • Stabilizer ausschalten
  • Adapter oder Haltering anbringen
  • Je nach System zweiten Ring mit POL-Filter anbringen
  • Filterhalter und Filter vorbereiten
  • Modus A oder AV wählen, Blende einstellen
  • In den Live View umschalten
  • Ausschnitt wählen und fokussieren
  • Falls AF genutzt wurde nun auf MF umschalten
  • Belichtungszeit berechnen anhand der A oder AV-Vorgabe
  • Kamera auf M oder Bulb umschalten, je nach Zeit
  • Nun Belichtungszeit einstellen
  • Filterhalter mit Filter anbringen
  • Auslösen

 

Nachbetrachtung

Nun habt ihr also euer Foto im Kasten. Solange ihr vor Ort seid, könnt ihr noch Korrekturen vornehmen. Also immer kontrollieren, ob alles passt. Ist der gewünschte Effekt so wie erwartet?  Stimmt die Schärfe etc.? Ist man vor Ort, kann man alles noch mal neu machen und ärgert sich nachher nicht zu Hause.

Das ist in etwa die Kurzform zur Filterfotografie. Habe versucht, mich auf das Wesentliche zu beschränken. Dies ist nur ein kleiner Einblick in die umfangreiche Art dieser Fotografie. Nicht umsonst haben einige ganze Bücher dazu geschrieben. Die kann man natürlich alle lesen und hat dann geballtes Fachwissen. Mein Weg ist der des Ausprobierens, lieber in der Natur testen und Erfahrungen sammeln als allzu viele Bücher lesen. Natürlich mache ich das auch! Ein Buch, das ich persönlich sehr gut finde, ist von Uwe Statz und heißt, wie sollte es auch anders sein: „Filterfotografie“ und hat die ISBN 978-3958453371

Natürlich sind wir damit noch nicht am Ende. Es gibt ja noch die GND-Filter! Nun das sind Graufilter die einen Verlauf beinhalten. Entweder in soft oder hart. Dies beschreibt, ob der Filter mit einer harten Kante endet oder die graue Einfärbung soft in klar übergeht. Solche Filter verwendet man zum Abdunkeln des Himmels und  damit man Himmel und Vordergrund gleichmäßig belichten kann. Stark überbelichtete Bereiche enthalten keine Zeichnung mehr, und wo nichts ist, kann auch ein Bearbeitungsprogramm nichts mehr machen.

Ein Sonderfall ist der GND-Reverse-Filter, dieser fängt klar an, dann kommt ein Übergang ins Graue und er läuft auch klar aus. Dieser spezielle Filter ist nur für Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang geeignet.

Im Gegensatz zu ND-Filtern, wo man auch auf Schraubbare zurück greifen könnte, nutzt man hier nur Stecksysteme. Alles andere macht keinen Sinn, man muss den Filter verschieben können. Bei einem Schraubbaren liegt der Horizont immer mittig. Das ist für die Bildgestaltung aber nicht vorteilhaft, erinnere hier mal kurz an die Drittelregel.

Bei Verwendung von einem POL-Filter, einem ND-Filter und dazu noch ein GND-Filter wird es aber auch schon recht schwierig, die richtige Belichtungszeit zu errechnen. Deshalb ist hier auch der Zeitpunkt, wo ich allen empfehle, einfach raus und probieren.

In der heutigen digitalen Zeit ist es doch egal, wie viele Aufnahmen man macht, teure Filme und Entwicklungskosten hat man nicht mehr. Bis natürlich bei dem einen tollen Foto, das man drucken und rahmen lässt J

Falls jemand Interesse hat, sich damit zu beschäftigen, den Schritt aber nicht wagt aufgrund dessen, dass Anschaffungen ja recht teuer sind:  einfach mal bei den Veranstaltungen schauen, wann wieder ein Workshop Filterfotografie ist und anmelden.

Wer weitere Fragen hat oder mal mit losziehen möchte, kann mich gerne über FB anschreiben oder mir eine Mail an mellerarmin@gmail.com schicken.

Liebe Grüße,
Armin