Ein Beitrag zur Landschaftsfotografie von Armin Meller

Was ist wichtig für die Landschaftsfotografie? Teures Equipment! Eine teure Kamera! Tolle Objektive!

 

Am Anfang dachte ich dies auch für eine kurze Zeit, aber dem ist mitnichten so! Im Laufe der Zeit  und nach Anschauen von Fotos berühmter Fotografen fiel mir auf, daß einige gar keine so hochwertige Ausrüstung am Anfang hatten, jedoch trotzdem hervorragende Bilder machten!

Also, wie machten sie es? Eigentlich ganz einfach, sie kennen sich mit ihrer Kamera aus. Dies ist essentiell, um gute Fotos zu machen. Fotografie ist ein Handwerk und genau wie ein Handwerker sein Werkzeug kennt, muss der Fotograf seine Kamera kennen. Befasst euch also mit eurer Kamera, studiert sie, welcher Knopf ist für was, wo stelle ich xyz… ein.

Ansel Adams hatte bei weitem nicht unser heutiges Equipment, nicht mal eine DSLR-Einsteigerkamera, seine Bilder jedoch beeindrucken mich noch heute.

Fazit, wer sich mit seiner Kamera auskennt, kann auch gute Bilder machen, Punkt. Es ist erstmal völlig egal, was für eine Kamera ihr habt: wenn ihr diese kennt, ist das schon mal der wichtigste Schritt.

Ganz wichtig, nicht die Kamera macht die Bilder, sondern ihr…!

Nun werden einige, die mich kennen sagen: du hast gut reden, hast ja alles nur top Equipment. Stimmt, aber nicht, damit die Kamera bessere Bilder macht, denn die mache ja ich 😉 Sondern weil mir gutes Equipment, was zur richtigen Zeit einwandfrei funktioniert, Zeit schenkt. Zeit, die ich dann zur Verfügung habe, um mich um mein Bild zu kümmern.

Zeit, mich mit der Situation vor Ort und den Gegebenheiten auseinanderzusetzen und das Bild zu gestalten.

Dazu kommt der Faktor Geld: nach diversen Fehlkäufen investiere ich mittlerweile nur noch in sehr gutes Equipment: wer billig kauft, kauft zweimal!

Angefangen habe auch ich mit einer ganz normalen Digicam, dann kam eine Canon EOS 400 D, als die nicht mehr reichte, ging der Sprung zur 7D und nun nutze ich eine 1Dx.

Dabei ist es völlig egal, welchem Lager ihr angehört. Alle Hersteller bauen heute gute Kameras, mit Stärken und Schwächen.

Aber kommen wir zurück zur eigentlichen Fotografie. Landschaftsfotografie, eine schier unerschöpfliche Vielfalt eröffnet sich einem, wenn man in diesen Bereich der Fotografie eintaucht.

Das wichtigste ist das Licht, Fotografie ist ja nun mal „Malen mit Licht“. Befasst euch damit, lernt, Licht zu lesen. Ihr könnt an der schönsten Location sein, wenn das Licht nicht stimmt, wird das Bild nix.

Danach kommt die Location: wenn ihr an eurer Location ankommt, schaut euch das Motiv an, auch oder vor allem aus verschiedenen Blickwinkeln, schon ein paar Meter können von einem och jo zu einem WOW wechseln.

ENTSCHLEUNIGUNG, ein ganz wichtiger Aspekt ist die ruhige und stressfreie Herangehensweise. Landschaftsfotografie ist nichts, was man mal schnell nebenbei macht. Für mich ist das genau der richtige Ausgleich zum normalen und stressigen Alltag.

Draußen in der Natur bestimmt diese den Ablauf, abhängig von Wind und Wetter, Sonne, Mond und Sternen könnt ihr entweder euer Bild machen oder nicht! Locations sollte man auch öfter besuchen, zu verschiedenen Jahres- oder Tageszeiten. Eine Location, die am Morgen trist und unscheinbar aussieht, kann in der untergehenden Sonne spektakulär erscheinen.

Und egal, wie gut ihr im Vorfeld geplant habt: am Ende entscheidet das Wetter vor Ort, ob ihr mit einem Bild nach Hause geht, das sich lohnt, gedruckt zu werden.

Und nicht nur bei tollem Wetter lassen sich schöne Bilder machen. Gerade die Stunden, wenn ein Sturm aufzieht oder für den nächsten Tag Nebel angesagt wird, lohnen sich ganz besonders. Diese Bilder laden zum Träumen ein, entführen einen an andere Orte und geben der Fantasie Raum.

Eine der wichtigsten Disziplinen ist Ausdauer und Geduld. Manchmal muss man stundenlang auf das richtige Licht warten, aber wenn es sich einem dann eröffnet, nimmt man atemberaubende Fotos mit nach Hause. Es gibt Tage, da muss man stundenlang auf den richtigen Moment warten, wenn der dann kommt, stellt sich jedoch ein sehr schönes Gefühl der Freude ein, daß sich das Aufstehen morgens um halb vier mal wieder gelohnt hat.

Solltet ihr mal am Meer mit seinen Gezeiten sein, dann wartet mal an einer schönen Stelle das Kommen und Gehen der Flut ab. Mit etwas Proviant und einer Decke macht ihr dann verschiedene Bilder von ein und der gleichen Stelle, aber die Bilder gleichen sich nicht. Entschleunigung halt 😉

Hier ein paar Tipps:

Landschaftsfotografie immer mit Stativ und Fernauslöser. Fotografieren mit geschlossener Blende, ab f/8 und niedriger ISO, am besten die niedrigste, welche die Cam hergibt. Dadurch ergeben sich zwangsläufig längere Belichtungszeiten, deshalb das Stativ.

Einige schwören auf UWW Objektive, ich wiederum bin da recht frei und denke, daß es eher am Motiv liegt, welches man aufnehmen möchte, da kann es auch mal ein 70 – 200 sein.

Um Verwacklungen zu vermeiden, ist ein Fernauslöser Pflicht, nichts ist schlimmer als am Rechner zu merken, daß man verwackelt hat 🙁

„Morgenstund hat Gold im Mund“, dies gilt auch in der Landschaftsfotografie. Wenn die Sonne aufgeht, das Licht langsam wärmer wird und lange Schatten wirft, entstehen so schöne Bilder.

Dafür muss man früh aufstehen, ein Päckchen, das der Landschaftsfotograf zu tragen hat, aber die Bilder entschädigen dafür um so mehr.

Früh am Morgen erwarten einen frische Luft, die bedeutend klarer ist als zur Mittagszeit. Frühnebel, der Bildern einen mystischen Charakter gibt und vielleicht Morgentau, der einen feinen Glanz auf Laub und Pflanzen legt.

Zusammenfassung:

1. Niemals ohne Stativ

Ein robustes standfestes Stativ ist Pflicht in der Landschaftsfotografie. Das Stativ gibt euch die Zeit, euer Motiv auszusuchen und den richtigen Schnitt zu wählen. Bildaufbau, Horizont ausrichten, ein Stativ gibt euch die Zeit, die ihr braucht.

2. Einstellungen

Vergesst die Automatik. Alle Einstellungen macht man manuell, die Kamera kann ja nicht erahnen, wie ihr euer Motiv komponiert. Landschaftsfotos macht man am besten ab Blende 8, persönlich bevorzuge ich Blendenwerte von 11 – 16. Dies führt jedoch zu Beugungsunschärfe. Mir ist das egal und ich kann damit leben, muss jeder selbst entscheiden. Sehr wichtig ist auch der Fokus. Die Entfernung, bzw. Distanz, auf die ihr scharf stellen müsst. Die sogenannte Hyperfokale Distanz einer Blendenstufe, auf die man scharf stellen muss, um optimale Schärfe im Bild zu haben. Aufgrund verschiedener Sensoren kann man hier pauschal nichts aussagen, bei DOF Master http://www.dofmaster.com/dofjs.html könnt ihr euch das mal anschauen. Dazu kommen noch die verschiedenen Systme wie VF und APS-C etc. Mein Favorit sind Apps, die es zu diesem Thema gibt. ISO-Wert so niedrig wie möglich, und immer im RAW Format.

3. Die Drittel Regel

Mittig platzierte Eyecatcher, oder aber der Horizont mittig mag unseren Sehgewohnheiten entsprechen, aber auf Fotos wirkt das eher langweilig. Wendet die „Drittel-Regel“ an, ein Drittel Himmel, zwei Drittel Boden, oder andersrum. Weitet diese auch auf euer Hauptmotiv im Bild aus. Bilder mit der „Drittel-Regel“ wirken beeindruckender.

4. Linienführung / Bildaufbau

Wenn ihr Linien zur Verfügung habt, nutzt diese. Zäune, Wege oder Stege. Linien ziehen den Betrachter förmlich ins Bild. Am besten ist es, wenn diese den Betrachter zu eurem Hauptmotiv führen. Wenn ihr mit UWW arbeitet, beachtet den Vordergrund, platziert dort einen Eyecatcher, einen Stein, ein Strauch etc. Dies verleiht dem restlichen Bild enorm viel Tiefe.

5. Licht

Die besten Landschaftsfotos entstehen zur „goldenen Stunde“ bzw. zur „blauen Stunde“. Die goldene Stunde ist die Stunde nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang. Das Licht ist dann fast golden und wirft schöne lange Schatten. Eine kleine Ausnahme am Meer, hier kann man auch gut zur Mittagszeit fotografieren, da die fast senkrechte Sonne das Meer schön blau färbt. Nun die blaue Stunde: dies ist die Zeit vor Sonnenaufgang oder halt nach Sonnenuntergang. Der Himmel strahlt dann in einem sehr intensiven blau.

6. Wolken

Die Wolken sind euer Freund. Strahlend blauer Himmel mag für ein Picknick toll sein. Auf Bildern jedoch will man Dynamik, das Bild soll wirken und Emotionen wecken. Wolken geben Bildern den letzten Schliff oder werden sogar zum Hauptmotiv, je nach Wetterlage.

7. Filter, die Helferlein des Landschaftsfotografen

Es gibt unheimlich viele Filter am Markt. Einige sind nicht wirklich sinnvoll. POL – Filter sowie Grau- und Grauverlaufsfilter sollte sich aber jeder, der tiefer in die Landschaftsfotografie eintaucht, anschaffen. Mit einem POL – Filter könnt ihr Wolken am Himmel viel besser ausarbeiten. Oder Wasserflächen ver- und entspiegeln. Graufilter lassen euch die Belichtungszeiten verlängern, dadurch könnt ihr fließendes Wasser wie Nebel erscheinen lassen. Mit Grauverlaufsfiltern habt ihr mehr Kontrolle über bestimmte Bereiche im Bild, die euch sonst überbelichten würden. Ich schneide das Thema nur kurz an, darüber kann man einen eigenen Blogeintrag machen. Das Thema Filter ist sehr komplex und vielschichtig.

8. Regeln

In der Fotografie gibt es Regeln, diese sollte man kennen. Warum? Damit man sie brechen kann. Immer wieder wird es Situationen geben, wo euch die Regeln im Wege stehen. Aber um Regeln zu brechen, sollte man sich erst mal mit ihnen vertraut machen!

9. Plant eure Exkursion im Vorfeld

– wann geht die Sonne / der Mond auf / unter.

– was sagt der Wetterbericht.

– wie lange sind die Anfahrtswege / Aufstieg etc.

– welche Locations liegen auf dem Weg

10. Packt euer Equipment am Vortag

– Kamera, Objektive, Rucksack

– Zubehör wie Speicherkarten, Akku´s, Stativ, Fernauslöser…

Ein kleiner Punkt, der oftmals vergessen wird, den man aber als wichtig erachten sollte! Sagt jemandem Bescheid, wohin ihr euch auf den Weg macht: Mutter, Vater, Schwester, Bruder, Partner… In der Landschaftsfotografie wagt man sich oft an Stellen, wo nicht gerade jemand suchen würde, wenn euch mal was passiert 🙂

Mittlerweile gibt es ja auch diese T-Shirts mit dem Aufdruck: „Leg dich nie mit einem Fotografen an, die kennen Orte, an denen dich niemand findet“ ist gar nicht so abwegig 🙂

Ich hoffe, euch hat der Blogeintrag gefallen und vielleicht bei dem Einen oder Anderen das Interesse an der Landschaftsfotografie geweckt. Wer mal mit losziehen möchte, darf mich gerne über FB anschreiben oder schickt mir eine Mail an: mellerarmin@gmail.com

Einige meiner Arbeiten findet ihr bei Facebook:

https://www.facebook.com/arminmellerphotography/?ref=page_internal

Liebe Grüße

Armin

13 Antworten auf „Ein Beitrag zur Landschaftsfotografie von Armin Meller“

  1. In der „Natur“ nimm Dein Handy mit. Es könnte ja etwas passieren und Du einsame Fotojäger brauchst Hilfe.
    Kleine TIPs: Komponiere lange Morgen- Abendschatten, Nebelschwaden, usw. in Deine Bild ein. Warte bis zB. Wolken das richtige Licht durchlässt.
    Mache mindestens 2×3 Bilder mit verschiedenen Tiefenschärfen und Blendeinstellungen und wenn sich wenig bewegt, verwende dabei eine möglichst lange Belichtungszeit.
    Bei Gegenlichtaufnahmen, lieber zu dunkel als zu hell ablichten. Direkteinstrahlung der Sonnen ins Objektiv möglichst vermeiden, oder Kamera etwas hinter Gebäude-, Baumstamm-Schatten platzieren .

  2. Super Bericht mit so vielen tollen Tipps. Ich hoffe, die in der Praxis umsetzen zu lernen bzw zu vertiefen. Und morgen übe ich auch mal das frühe aufstehen 😉
    Denn obwohl ich gerne Landschaft fotografiere habe ich das frühe Licht bisher nicht eingefangen. Langschläferproblem.

    1. Hallo Brigitte,
      denke mal das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Die Bilder die ich bis jetzt gesehen habe sind top. Und das frühe Licht haben wir auch gefunden, incl. Sonnenaufgang 🙂
      Freue mich auf das nächste Mal.
      LG
      Armin

      1. Auf jeden Fall, Armin. Ich habe es nicht bereut so früh aufgestanden zu sein. Bin im September mit von der Partie und werde bis dahin schonmal ein bißchen mit Filtern fotografieren üben

  3. Danke Armin für deinen tollen, ausführlichen Beitrag und die vielen Tipps . Da kommt jede Menge Leidenschaft rüber die neugierig macht.
    Liebe Grüße Birgit

  4. Hallo Armin,
    vielen Dank für Deinen langen Artikel zum Thema Landschaftsfotografie. Interessant und informativ, alles Wichtige auf den Punkt gebracht.
    Vielen Dank für das Angebot, Dich kontaktieren zu können. Ich komme gerne darauf zurück.
    Viele Grüße
    Kirsten Pütz

  5. Vielen Dank an Armin für den Beitrag, informativ und übersichtlich.
    Wer deine Tips beherzigt macht in Zukunft ganz sicher superschöne Landschaftsaufnahmen. LG Walli

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